Klinische Studien und Klinikalltag unter einen Hut zu bekommen – das ist für viele Ärztinnen und Ärzte in der Forschung ein schwieriger Balance-Akt. Das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) über 6 Jahre geförderte Advanced Clinician Scientist Programm LeiCoT (= Leipzig Cohorts and Trial(ist)s) der Medizinischen Fakultät geht die Sache praktisch an: in das Programm aufgenommene ‚Advanced Clinician Scientists‘ werden zu 50 Prozent für die Forschung freigestellt, bekommen Ressourcen für den Aufbau einer eigenen Nachwuchsgruppe und damit etwas, das in der klinischen Forschung oft schwer zu haben ist: Zeit.
6 Jahre Planungssicherheit – eine gute Grundlage für klinische Forschung
Die ersten vier Forschenden sind im Juli 2026 in das Programm eingestiegen. Einer von ihnen ist PD Dr. Alexander Rühle, Geschäftsführender Oberarzt der Strahlentherapie, der über das Programm nach Leipzig zurückgekehrt ist – direkt aus seinem Clinical Fellowship am Princess Margaret Cancer Centre in Toronto, einem der führenden Krebszentren weltweit. „Als ich die Ausschreibung gesehen habe, war mir klar, dass das eine wirklich großartige Gelegenheit ist, nach Leipzig zurückzukommen", erzählt er. „Man braucht ja eine gewisse Planungssicherheit – und die bietet LeiCoT. Die Förderung läuft jetzt über 6 Jahre, das ist eine Hausnummer.“ Entsprechend dankbar äußert er sich dazu, dass Professor Rolf Wachter und seine Kolleg:innen Prof. Antje Körner, Prof. Bahriye Aktas und Prof. Thomas Ebert das Programm überhaupt nach Leipzig geholt haben: „Da kann man wirklich sehr dankbar sein. So ein Angebot mit dieser Planungssicherheit zieht Leute an – das war für mich ein wichtiger Grund, von Toronto zurückzukommen."
Geschützte Zeit und ein Team, das den Rücken freihält
Die geschützten Forschungszeiten machen für ihn den Unterschied: „Es ist etwas anderes, ob man eine randomisierte Phase-II- oder Phase-III-Studie nebenher am Feierabend plant – oder ob man feste, verlässliche Zeiten hat, in denen man wirklich fokussiert daran arbeiten kann." Dass das gelingt, sei Teamarbeit: „Ich bin sehr dankbar, dass ich ein wunderbares Kollegium habe, das mich dabei unterstützt." Mit der LeiCoT-Förderung konnte er zudem eine promovierte Biologin einstellen, die nun das Projektmanagement seiner Studien übernimmt. Das ZKS begleitet ihn dabei konkret in drei großen onkologischen Studien: der BOOSTER-Studie, einer randomisierten Phase-2-Studie bei Kopf-Hals-Tumoren, die gezielte Hochdosis-Bestrahlung mit Immuntherapie vor der Operation kombiniert, und der deutschen Koordination von PROLoNg, einer Phase-3-Studie der EORTC (European Organisation for Research and Treatment of Cancer), und SENIOR-2, einer prospektiven multizentrischen Beobachtungsstudie an über 35 Standorten in Deutschland, bei dem die onkologischen Ergebnisse und die Lebensqualität älterer Menschen mit Kopf-Hals-Tumoren analysiert werden. Sowohl SENIOR-2 als auch PROLoNg werden von der Deutschen Krebshilfe gefördert.
Vom Antrag bis zum ersten Patienten – das ZKS als Partner
Dass dabei das ZKS als wissenschaftlich begleitender Partner an Bord ist, ist für ihn weniger eine Formalität, als auch eine bewusste Entscheidung: „Bei so komplexen Studie mit regulatorischen Hürden wäre für mich persönlich auch nichts anderes in Frage gekommen. Und die Qualität der klinischen Studien wird aus meiner Sicht einfach besser." Die Zusammenarbeit begann bereits bei der ersten gemeinsamen Studie – vom Antrag über das Projektmanagement bis zur Initiierung. Inzwischen sind dort die ersten Patienten eingeschlossen worden. „Ganz aufrichtig: Die Zusammenarbeit ist wirklich hervorragend."
Im Januar 2025 hatte Dr. Rühle das Weiterbildungsangebot des ZKS genutzt und den 'Studienleiterkurs' absolviert. Besonders geschätzt habe er daran die kompakte Form und den persönlichen Austausch: „Neben dem Inhaltlichen ist es wichtig, die Leute persönlich zu treffen, Ideen mit den anderen Kolleginnen und Kollegen zu besprechen. Den Kurs habe ich inzwischen schon weiterempfohlen."
Am Ende blickt er auf die nächsten Jahre: „Mein Traum ist, dass wir die BOOSTER-Studie durchführen können und dass sie positiv ausfällt – und dass wir dann gemeinsam mit dem ZKS eine anschließende Phase-3-Studie starten."
Links:
Pressemitteilung von medizinischer Fakultät und Universitätsklinikum zu LeiCoT, mit Bild von dessen Sprecher und Co-Sprecher:innen
Homepage BMFTR zu Förderung von Fachärzt:innen in Uni-Medizin
BMFTR, konkret zum Leipziger Förderprogramm LeiCoT
Homepage LeiCoT
Homepage zur oben erwähnten SENIOR-2-Studie